Ein digitales Modell der Oberlausitzschanze

Parallel zum Bau des Holzmodelles M 1:50 (Ein Modell von der Skisprungschanze entsteht) hat Konrad nach den originalen Bauplänen der Schanze ein digitales 3D-Modell erstellt. Zur Anwendung kam dabei die Modellierungssoftware Rhinoceros 4. Das Modell zeigt den Zustand der Schanze in ihrer ursprünglich geplanten Form laut Planung.

Schanzenprofil

Perspektive Schanzenturm

Perspektive gerendert

Fraglich ist, inwiefern diese Vorgaben auch wirklich umgesetzt wurden und welche Veränderungen später an der Schanze vorgenommen wurden, die ihr Erscheinungsbild veränderten. Hier bestehen noch Ansatzpunkte zum Weiterforschen, ebenso wäre es reizvoll, das Objekt im zeitlichen Verlauf darzustellen.

Die Vorteile des Digitalmodells liegen auf der Hand: Zwar ist das Arbeitsergebnis nicht direkt und mit Händen greifbar vorhanden, da es zunächst nur in Datenform vorliegt. Dadurch eröffnet sich uns aber auch die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl von Ansichten, Schnitten, Draufsichten, Perspektiven etc. auszudrucken, und das in beinah jedem beliebigen Maßstab (dies setzt aber einen entsprechenden Detaillierungsgrad des Modells voraus). Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Modell fotorealistisch zu rendern und als Fotomontage in die heutige Landschaft zu montieren, um ein Bild vom früheren Aussehen des Ortes zu bekommen. Nicht zuletzt ist es möglich, das Modell in Form eines kurzen Films zu animieren, wobei dies mit erheblichem Arbeits- und auch Rechenaufwand verbunden ist. Insgesamt ist so das Modell einem sehr breiten Publikum zugänglich, denn es kann in Form von Bildern und Plänen im Internet präsentiert werden. Für die weiterführende Arbeit ist hier auch denkbar, eine virtuelle computeranimierte Wanderung um oder durch den Turm zu unternehmen, was so nicht einmal am realen Modell möglich ist. Außerdem lässt sich das ausgearbeitete Modell als KMZ-Datei in Google Earth einbinden und somit auch an den ursprünglichen Standort versetzen. Es ist dabei problemlos möglich, die entsprechenden Daten für die Besucher zum Herunterladen anzubieten, die dann mit Google Earth betrachtet werden können.

Beim Modellieren sind vor allem folgende Arbeitsschritte zu gehen:

  • übertragen des Schanzen- und Geländeprofils (Koordinaten) und erstellen der Anlauf- und Aufsprungbahn
  • Aufbauen des Fundamentes des Schanzenturmes
  • Bau der Holzfachwerkkonstruktion nach Bauplan in der Folge Hauptstreben > Nebenstreben
  • Einbauten auf der Bahn, Treppen
  • Kampfrichterturm
  • weitere Detaillierung

Besonders der letzte Schritt ist voraussichtlich äußerst langwierig, damit am Ende das Modell nicht bloß erscheint wie aus Kunstharz gefräst, sondern eine gewisse ansprechende Ästhetik besitzt. Dazu gehören beispielsweise Geländer, einzelne Bretter und Latten, Abschrägungen, Profileisen und weitere bautechnische Details.

Das letzte Bild zeigt den aktuellen Arbeitsstand. Beim Weiterarbeiten zeigt sich das Problem, dass an einigen Stellen nicht (mehr) genügend informationen zur Verfügung stehen. So sind einige Maße unklar und mussten nach Augenmaß angenommen werden, ebenso wie die Querschnitte der verwendeten Hölzer. Gerade wenn es um Details geht, zeigt sich dieser Mangel. Hier ist abzuwägen, ob die Rekonstruktion bewusst unscharf bleibt (also nur die tatsächlich verfügbaren Informationen darstellt) oder Details nach den gängigen Normen hineingedacht werden, womit dann fast fotorealistische Darstellungen erreicht werden könnten. Hier gibt es viel Potenzial; das Modell kann im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert werden. Dennoch wird es wohl nie das fertige Modell im Sinne einer historischen Korrektheit geben. Leider wird das Modell letztlich ein Kompromiss bleiben, da es zu viele Abweichungen zwischen den Plänen und der tatsächlich gebauten Schanze gibt, wie schon flüchtige Blicke auf erhaltenes Fotomaterial zeigen.

Außerdem können wir nicht mehr genau bestimmen, welche Änderungen später gemacht wurden und wie diese zeitlich genau einzuordnen sind. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, den ursprünglich geplanten Zustand zu modellieren sowie Holzmodell und Digitalmodell möglichst gleich zu gestalten.

Weitere Bilder