Streit um den Standort der Station

<note tip>Ergebnis: Zu Beginn der Stadtratssitzung am 31.3. hat die Stadtverwaltung die Beschlussvorlage zurückgezogen. Begründet wurde dies durch die fehlende Einwilligung des Vereins zu diesem Umzug.

Wir danken allen Freunden, Helfern und Mitgliedern des Vereins für die zahlreiche Unterstützung; und wir danken den Stadträten und der Presse, sich so viel Zeit für dieses Thema genommen zu haben. Nun hoffen wir, dass bald ein neues Gebäude für die Arbeitsräume auf dem Gelände gebaut werden kann. </note>

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Seit 2002 bemühen sich der Verein und seine ehrenamtlichen Helfer, die Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser zukunftsfähig zu sanieren. Im Frühjahr 2009 gab es dafür Chancen durch die von der Stadt beantragten EFRE-Fördergelder zur Sanierung des Gebietes um das ehemalige Kulturhaus, einschließlich des für uns vorgesehenen Gebäudes. Leider konnte die Stadt aus verschiedenen Gründen dann nicht mehr die notwendigen Eigenanteile aufbringen, so dass diese EFRE-Gelder verfielen. Danach beschloss der Stadtrat im September 2009, Fördergelder aus dem Konjunkturpaket II für eine Sanierung oder einen kleineren Neubau auf dem aktuellen Gelände der Station zu verwenden. Die Bauplanungen dafür hatten bereits begonnen, als am 08. März 2010 plötzlich ein neuer Vorschlag vom Oberbürgermeister ins Spiel gebraucht wurde: Die ehemalige Kinderkrippe in der Brunnenstraße.

Nach Besichtigung des Gebäudes und Geländes ergeben sich für uns (dem Vorstand des Vereins) objektive Gründe, diesen Vorschlag ablehnen zu müssen. Leider deutet der Verlauf der Gespräche mit der Stadtverwaltung darauf hin, dass hier nicht Probleme der regionalen Jugendarbeit zukunftsfähig gelöst werden sollen, sondern lediglich Geldverteilungsprobleme in der Stadt.

Auf dieser Seite finden Sie:

Stellungnahme des Vorstands des Trägervereins

Werte Stadträte,

im Zuge der langjährigen Bemühungen (seit 2002) die Station Junger Naturforscher und Techniker zukunftsfähig zu sanieren, entschied der Stadtrat nach dem Scheitern des EFRE-Programms am 30.09.2009 die Verwendung der bewilligten Konjunkturmittel am Standort Prof.- Wagenfeld- Ring. Der beauftragte Planer stellte fest, dass eine Sanierung des Hauptgebäudes finanziell nicht sinnvoll ist. Deshalb wurde mit der Planung eines Neubaus begonnen. Mit den Mitteln des Konjunkturpaketes II können Flächen geschaffen werden, die die Angebote der Station langfristig sichern, wenn auch mit kleinerem Raumbestand. Damit würde auch der demografischen Entwicklung (Bevölkerungsschwund) Rechnung getragen werden. Entsprechende Planungen liegen in Abstimmung mit uns bereits vor.

Arbeitsgemeinschaft KFZ-Technik

55-jähriges Jubiläum 2008

das Weidenhaus

Die Bungalowsiedlung in direkter Nähe zu Werkstätten und Fachräumen ist ein wichtiger Faktor bei der Umsetzung von Jugendbegegnungen, Umweltbildungsprojekten und Projekttagen: Hier können die Übernachtungsmöglichkeiten als Eigenanteil für die Akquirierung von Landesmitteln, Mitteln des Deutsch- polnischen Jugendwerkes u.ä. eingesetzt werden und die Teilnehmerbeiträge für sozial benachteiligte Kinder gering gehalten werden. Im vergangenen Jahr hatten wir z.B. zwei deutsch-polnische Jugendbegegnungen sowie Wolfs- und Malcamps. Weiterhin deckt die Betreibung der Bungalowsiedlung die Betriebskosten des Objektes. Gerade angesichts der sich abzeichnenden schwierigen Haushaltslage von Stadt, Kreis und Land in den kommenden Jahren ist dies von großer Bedeutung.

Am Montag, dem 08.03.2010 wurden wir von einem neuen Lösungsvorschlag der Verwaltung in Kenntnis gesetzt. Als neuer und einziger Standort wurde uns das Obdachlosenheim angeboten. Dieser überraschende Vorschlag würde das Konzept der Station inhaltlich und wirtschaftlich in Frage stellen. Das betrifft insbesondere das Außengelände. Im Stationsgelände sind in den letzten Jahren zahlreiche Projektangebote, insbesondere im umweltpädagogischen Bereich entstanden. 2009 wurde mit dem SvO- Projekt „Natur hautnah (er-)leben“ der Gartenbereich erneuert und das „Arboretum“ (ein seit 40 Jahren gepflegter Baumlehrpfad) wurde im vergangenen Herbst um 30 Gehölze erweitert. Biotop, Pfad der Sinne und Klangspielplatz sind weitere Erlebnisangebote im Gelände. Sie werden von Kitas und von Schulen als unterrichtsergänzende Angebote genutzt. Mit der Umsetzung des von der Veolia-Stiftung unterstützten Projektes „SolarKlar“ 2010/11 soll im Zuge des Neubaus ein weiteres umweltpädagogisches Angebot entstehen. Mit dem Projekt „Kreislauf des Wassers“ wurde neben Umweltbildung auch die Regenwassernutzung erreicht. Die Nachhaltigkeit war Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln.

Das jetzige Gelände ist ein perfekter Ausgangspunkt für z.B. Tagebaubefahrungen und Spurenexkursionen im Wolfsgebiet. Auch zahlreiche große Veranstaltungen, gemeinsam mit Partnern organisiert, finden hier statt: Weltkindertag, Tag der offenen Tür, Tag der Technik, Sternenbeobachtungen usw. All diese Aktivitäten würden am vorgeschlagenen Standort schwierig bis unmöglich sein. Deshalb können wir dem Vorschlag der Verwaltung sowohl aus inhaltlichen als auch wirtschaftlichen Gründen nicht folgen.

Der Vereinsvorstand bekennt sich zu den Entscheidungen des vergangenen Jahres und würde eine Zustimmung zur Umsetzung der Investitionen des Konjunkturpaketes II am Standort der Station am Prof.- Wagenfeld- Ring ausdrücklich begrüßen. Für Erläuterungen steht Ihnen der Projektleiter der Station Junger Naturforscher und Techniker, Bernd Frommelt, gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Unterzeichner: Frank Spreer (Vereinsvorsitzender), Hubert Henschke (1. Stellvertreter des Vereinsvorsitzenden), Randolf Rotta (2. Stellvertreter des Vereinsvorsitzenden), Barbara Lustig (Schatzmeisterin)

Brief an die Stadträte (von Randolf Rotta, 29.03.2010)

Werte Stadträte,

mit Sicherheit versuchen wir alle, Sie, die Bürgermeister, die Station junger Techniker und auch ich, das Beste für die Entwicklung der Stadt zu erreichen. Nun stehen wir nach einer verwirrenden Woche wieder vor schwierigen Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen. Die Verantwortung gegenüber den Bürgern der Stadt und die Verantwortung der Großen Kreisstadt gegenüber den umliegenden Gemeinden ist groß. Aus diesem Grund will ich, als stellvertretender Vorsitzender der Station, im folgenden Text den anstehenden Beschluss thematisieren und dessen Auswirkungen auf die Zukunft der Stadt erläutern.

Aus Sicht des Vereins muss die Ihnen vorliegende Beschlussvorlage so interpretiert werden, dass die ehemalige Kinderkrippe in der Brunnenstraße als alleiniger Standort der Station festgelegt werden soll. Der Begründungstext unterstreicht dabei, die geteilte Nutzung des Gebäudes und Geländes mit der Obdachlosenunterkunft. Auch wird kein Zweifel daran gelassen, dass das Gelände am Prof.-Wagenfeld-Ring nicht weiter genutzt werden soll.

Wenn der Beschlussvorlage zugestimmt wird, entstehen für die Stadt zusätzliche jährliche Ausgaben von rund 10'000 Euro durch Betriebskosten, die der Verein in der Brunnenstraße nicht wie bisher selbst finanzieren kann. Dies entspricht Kosten von 200 Tausend Euro in den nächsten 20 Jahren. Demgegenüber spart die Stadt keinerlei Investitionsgelder (im wesentlichen aus Fördermitteln), da diese laut der Vorlage lediglich in die Brunnenstraße umverlagert werden sollen.

Das Gelände am Prof.-Wagenfeld-Ring wird durch einen Umzug auf Ewig für die Stadt verloren gehen. Die wegfallenden Einnahmen und wachsenden Abhängigkeiten von anderen Einrichtungen (vor allem die benachbarte Schule, das KiEZ und die Stadt) und die nicht ausreichenden Lagerflächen gefährden die Zukunft der gemeinnützigen Arbeit unseres Vereins extrem. So können in Zukunft keine überregionalen und internationale Ferienprojekte in die Stadt geholt werden und sogar einige jährlich wiederkehrende Sportgruppen aus dem Eisstadion müssten sich andere Unterkünfte suchen. Insgesamt beeinträchtigt dies die Attraktivität der Stadt Weißwasser, was vor allem im Vergleich zu umliegenden Städten wie Hoyerswerda keine gute Idee sein kann.

Können Sie dies riskieren und mitverantworten?

Unabhängig von Ihrer persönlichen Entscheidung am Mittwoch, will ich Ihnen schon jetzt dafür danken, dass Sie sich mit dem Thema und unserem Anliegen beschäftigt haben. Viele der Stadträte haben die Möglichkeiten einer Vor-Ort-Begehung in der Brunnenstraße und in der Station am Prof.-Wagenfeld-Ring in der vergangenen Woche genutzt – was die Mitglieder des Vereins sehr erfreute.

Die Situation ist bei weitem nicht so alternativen-los, wie es der Begründungstext erscheinen lässt. Aber zunächst ist es angebracht, genauer auf die Betriebskosten und die örtlichen Gegebenheiten in der Brunnenstraße einzugehen.

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Offener Brief an den Oberbürgermeister

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

Mit einiger Verwunderung las ich am Sonnabend Ihre Aussagen zur Station Junger Naturforscher und Techniker in der Lausitzer Rundschau. Es ist schön, dass Sie sich zu den in der Stadt kursierenden Gerüchten äußern, aber wir sollten doch bei den Fakten bleiben. Und die sind in diesem Artikel nicht immer richtig dargestellt…

Besuch der Musikschule Fröhlich, Tag der Technik 2009

Projekt: Regenwasser sammeln

Arbeitsgemeinschaft Naturkunde in Aktion

Tag der Technik 2009

Grußwort des Oberbürgermeisters Hartwig Rauh zum 55-jährigen Jubiläum 2008

Aber der Reihe nach: Sie sagen als erstes, der Träger der Station wäre in die Diskussion mit eingebunden. Richtig an dieser Stelle ist, dass man uns eine Stellungnahme in den Ausschüssen der Stadt erlaubt hat. Nicht weniger, aber auch nicht mehr, von gleichberechtigter Diskussion auf Augenhöhe war weder in den Ausschüssen noch in dem von Ihnen am 5.März für den 08.März 13:00 Uhr kurzfristig angesetzten Termin (alle vier Vorstandsmitglieder unseres Vereins erfüllen ihre Aufgaben ehrenamtlich) etwas zu spüren. Es wurde uns vielmehr deutlich gemacht, dass wir uns zu fügen hätten und eigentlich froh sein sollten, dass wir überhaupt dieses „hervorragende“ Angebot überreicht bekommen. Für den Fall unserer Ablehnung kündigten Sie schon einmal vorsorglich den möglichen Wegfall städtischer Fördermittel an. Das würde explizit das Ende der Station bedeuten. Ist es das, was Sie erreichen wollen?

Sie bezogen sich weiter auf die Höhe der im Konjunkturpaket II durch den Kreistag für die Sanierung der Station vergebenen Mittel von rund 400.000 Euro und stellten fest, dass diese nicht ausreichen würden, schon gar nicht für die Modernisierung der Bungalows. Wunderlicherweise sind jetzt also im Plan die Bungalows mit enthalten, von denen noch nie die Rede war, im Gegenteil, es wurde immer wieder betont, dass diese durch den Verein instandgehalten werden. Soll hier einfach der Bedarf so hochgerechnet werden, dass eine Modernisierung auf keinen Fall in Frage kommt? Zum selben Schluss kommt man, wenn man die Rekonstruktion bzw. Sanierung des Hauptgebäudes selbst betrachtet. Es ist ja nicht so, dass hier beim Punkt Null begonnen wird, es gibt eine vom Planer in Abstimmung mit dem Bauamt der Stadt und uns als Träger begonnene Planung für den Neubau des Hauptgebäudes, da das alte Stationsgebäude nicht sanierungsfähig ist. Dazu gab es auf Anforderung vom 25.01.10 eine Raumkonzeption des Vereins für ca. 400 m² und die Erklärung des Vorstandes zur Betreibung des Objektes für den Zweckbindungszeitraum. Es stellt sich wohl eher so dar, dass die für das Gebäude am Braunsteichweg vorgesehenen 390.000 Euro hinten und vorne nicht reichen und händeringend irgendwo nach zusätzlichen Mitteln gesucht wird. Da käme das Geld von der Station Junger Naturforscher natürlich gerade recht.

Allerdings ergibt sich jetzt für uns die Frage: Was soll die Station dort? Von „maßgeschneidert“ kann nicht die Rede sein, es wäre vielmehr ein nicht lebensfähiger, von äußeren Zwängen aufdiktierter Zustand, den ich mich weigere, einen Kompromiss zu nennen. Es ist ja nicht nur die im LR-Artikel schon angesprochene Frage der nicht mehr möglichen Eigenmittelerwirtschaftung, es würden sich für unsere Tätigkeit auch ganz erhebliche Einschnitte ergeben, die einen Teil unserer fachlichen Arbeit unmöglich machen. Die Eigenmittelerwirtschaftung ermöglicht uns, außer Betriebs- und eines Teiles der Personalkosten auch den notwendigen Eigenanteil für vom Freistaat Sachsen und aus Bundesmitteln geförderte Projekte zu stellen. Können Sie sich zum Beispiel an diesem Standort die Tätigkeit der AG „Kfz-Technik“ vorstellen? Oder die Möglichkeit, astronomische Beobachtungen durchführen zu können? Ich nicht, und mit diesen beiden Beispielen ist die Liste ja noch lange nicht am Ende.

Achja, AG-Tätigkeit… Die Arbeit des Vereins auf „17 Kurse mit 80 Personen“ zu beschränken ist ebenfalls eine erhebliche Fehlbeurteilung unserer Arbeit, schließlich erschöpft sich diese bei weitem nicht in den Arbeitsgemeinschaften. Aber eigentlich sollten Sie das ja wissen, aus eigener Anschauung und auch aus den jährlichen Berichten an Ihre Fachabteilung. Niemand würde ja schließlich versuchen, den Neubau des Eisstadions mit der Tatsache verhindern zu wollen, dass hier ja nur Profis Eishockey spielen. Eine klassische Fehlaussage, die das komplette Umfeld außer acht lässt, dass bei diesem Beispiel eben auch die breite Nachwuchsförderung eingeschlossen ist. Genauso kritisch sehe ich Ihre Aussage zu dem angeblich „zentraleren Standort“. Wir würden von einem Ende der Stadt ans andere Ende ziehen unter Verlust des einmaligen Außengeländes, das uns viele Angebote erst ermöglicht und um das uns Vereine, die eine ähnlich gelagerte Arbeit betreiben wie wir, beneiden. An anderen Orten wird das mühsam aufgebaut, was nach Ihrem Willen und dem der Verwaltung hier in Weißwasser dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Auch kann ich nicht ersehen, was eine Turnhalle und ein Sportplatz für unsere Arbeit bewirken sollen. Flugmodelle auf dem Sportplatz der naheliegenden Schule? Im Innenbereich der Stadt?

Werter Herr Oberbürgermeister!

Sie sehen, dass hier noch erheblicher Klärungsbedarf besteht und dass es das Beste wäre, unvoreingenommen an diesen heranzugehen. Eine innerhalb von drei Wochen herbeigepeitschte „Lösung“ wäre für alle Beteiligten ausgesprochen kontraproduktiv, zumal ja für die Lösungsfindung seit Ostern 2009 Zeit war.

Zum Abschluss noch eine Betrachtung zu unserem Verein und dessen Lebensfähigkeit: Wir haben den wesentlich komplizierteren Strukturwandel von 1989 bis 2010 zufriedenstellend geschafft, einer Zeit, in der Weißwasser um rund 20.000 Einwohner geschrumpft ist. In dieser Zeit haben sich auch die in der Jugendhilfe tätigen Vereine zusammengerauft und die Aufgabengebiete so besetzt, dass es kaum Überschneidungen gibt. Nur so war es uns möglich, die Qualität in der Jugendhilfe zu halten und zu verbessern. Ich denke, dass wir auf die vor uns liegenden Aufgaben gut vorbereitet sind, solange uns nicht die Luft zur Arbeit beschnitten wird. Die Aufgabe wird nicht leichter werden, aber ich erlaube mir, Sie heute schon zum 75.Geburtstag der Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser einzuladen. …wenn man uns ihn denn erreichen lässt

Mit freundlichen Grüßen

Frank Spreer
Ehrenamtlicher Vorsitzender
Station für Technik, Naturwissenschaften, Kunst - Weißwasser e.V.

Gegendarstellung zum Pressegespräch der Stadtverwaltung am 26.03.2010

Zur Beschlussvorlage für den Stadtrat am 31.03.2010 WSW-1290/10 Standort Station Junger Naturforscher und Techniker

Zur Beschlussvorlage der Stadtverwaltung Standort Station Junger Naturforscher und Techniker für den kommenden Stadtrat und den Ausführungen des OB und der Verwaltung beim Pressegespräch (Radio WSW/ Presse) ist aus Sicht des Station Weißwasser e.V. Folgendes anzumerken:

Herr Rauh weist die von uns und dem Netzwerk Jugendarbeit geäußerte Kritik an einer wenig partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit dem Trägerverein zurück. Die Einladung an unseren Vereinsvorsitzenden Frank Spreer zu den Ausschüssen HFA und BWA erfolgte erst auf unsere Initiative hin. Vielleicht sind wir dem OB da aber auch nur zuvorgekommen.

Vertreter des Vereins hatten erst am 12.03. Gelegenheit, Gebäude und Gelände des Obdachlosenheimes in Augenschein zu nehmen und am 13.03. ging die ablehnende Stellungnahme des Vorstandes an OB und Stadträte. Auf diese Stellungnahme mit unseren Argumenten gibt es bis zum heutigen Tag keine offizielle Antwort des OB. Ich höre und lese nun aber, dass er auf empörte Äußerungen von Vereinsmitgliedern betroffen reagiert. Diese sind kein Ergebnis einer „Mitarbeiterversammlung“ sondern ein legitimes Recht engagierter ehrenamtlicher Bürger.

Zur Sondersitzung des vom Jugendring einberufenen Netzwerkes Jugendarbeit wurde selbstverständlich wie üblich auch die Stadtverwaltung eingeladen. Die Mitarbeiter des Fachbereiches Soziales mussten sich aber für den Termin leider entschuldigen. Dass der OB keine Kenntnis von dem Treffen hatte, liegt wohl kaum an uns. Auch bei dem am 23.03. in der Station durchgeführten Begehungstermin, zu dem der OB und die Stadträte eingeladen waren, war leider kein Vertreter der Verwaltung erschienen.

Nachdem anderthalb Jahre partnerschaftlich nach Lösungen gesucht wurde, nachdem der Stadtrat nach dem Scheitern von EFRE bereits am 30.09.2009 die Planer mit der Umsetzung der Konjunkturvorhaben beauftragt hatte und es auch schon Planungen für einen kleineren Neubau gibt, entsteht nun für den Verein Erklärungsdruck und für die Stadträte gehöriger Entscheidungsdruck. Die Raumplanung für einen kleineren Neubau mit ca. 400 m² wurde noch Ende Januar durch das Bauamt als realistisch eingeschätzt, durch uns zugearbeitet und auch die Bereitschaft zur Nutzung für mindestens den Zweckbindungszeitraum erklärt. Wenn in den Planungen nun erheblich höhere Summen genannt werden als von der Bauverwaltung geschätzt, sollte man sich zügig mit dem Planer und uns an den Tisch setzen und nach Lösungen und Kompromissen suchen.

Eine Sanierung der Bungalows stand im Zusammenhang mit dem Konjunkturvorhaben übrigens nie zur Debatte. Seit der Verein Träger der Station ist (seit 1992), wurden sämtliche Investitionen, Instandhaltungen, Sach- und Betriebskosten durch den Verein erwirtschaftet, durch Spenden oder Fördermittel bestritten ohne den Stadthaushalt zu belasten. Hier weisen wir auch auf noch bestehende Zweckbindungen (bis 2018) auf Fördermittel hin. Wenn die Möglichkeiten zur Mittelerwirtschaftung wegfielen, würde der Verein nicht Kosten sparen, sondern weit höhere Zuwendungen benötigen. Dass diese durch die Stadt nicht leistbar sein werden, ist absehbar.

Wir sind zuversichtlich, dass die Stadträte bei ihrer Entscheidung die Argumente des Trägervereins nicht außer Acht lassen. Nutzer- und Betreiberkonzepte die fachlich und wirtschaftlich schlüssig sind, sind ohne den Nutzer eigentlich nicht machbar. Wir hoffen, dass die Beschlussvorlage der Verwaltung abgelehnt und die bereits vor einem halben Jahr gefassten Beschlüsse des Stadtrates hinsichtlich der Verwendung der Konjunkturmittel am Standort am Freizeitpark umgesetzt werden.

Bernd Frommelt

Briefe an die Station

<quote> Oje, habe ich vielleicht in letzter Zeit mal nicht so die Daumen für Euch gedrückt? Mich plagt das schlechte Gewissen, obwohl wir auch gerade am Wochenende mit Kindern Nistkästen gebaut haben. Ich darf gar nicht daran denken, was diese ……….. da vorhaben. Aber demonstriert wird ja hierzulande nur für mehr Geld, manchmal auch für den Erhalt einer Firma, aber das ist dann eh schon zu spät. Wir drücken jetzt wieder toller die Daumen und wünschen ganz viel Erfolg. Viele Kampfesgrüße… </quote>

<quote> Lieber Herr Frommelt,
in Weißwasser geschehen die Dinge ohne die Menschen, das ist schade. Ich wünsche Ihnen, daß man Ihre Arbeit entsprechend anerkennt und eine gute Lösung findet. Nichts gegen Eishockey, aber bei Ihnen sind wohl die Kinder besser und nützlicher beschäftigt. Wenn man so gar nicht gehört wird, hat man bald keine Lust mehr zu kämpfen. Die Kürzungen in Kultur und Jugendarbeit wird uns hier noch schwer treffen. Jedoch ist es richtig erst mal dagegen anzukämpfen, weil sonst keiner merkt, wie spät es schon ist.
Mit freundlichen Grüßen </quote>

<quote> Hallo Bernd
Wie es sich liest, ist der Standort Eurer Station gefährdet. Drücke die Daumen zum Erhalt. Es ist so eine gute Sache… davon können andere Gebiete Deutschlands nur träumen. Falls Ihr Unterschriften sammelt, bin ich dabei! </quote>

<quote> Hallo, leider kann ich die Seiten nicht öffnen, es kommt immer „Error“. Ich würde Euch empfehlen, zu einer Demonstration vor dem Rathaus aufzurufen, da wären auch mein Mann und ich dabei. Wir finden es nämlich auch überhaupt nicht gut, dass die Station einfach verlegt werden soll. Es müssen Möglichkeiten gefunden werden,die Station am Ort zu erhalten. Wenn Ihr zu einer Spendenaktion aufrufen würdet,könntet Ihr vielleicht das benötigte Geld auftreiben. ich denke, dass viele Weißwasseraner spenden würden, um Euch zu retten. Macht noch was, ehe es zu spät ist. Liebe Grüße </quote>

Karsten Noack: Ein Standort mit Tradition und Zukunft

AG Malen und Zeichnen

Bernd Frommelt hält eine Rede über den Ablauf des Bühnenprogramms

Eine Reaktion auf die aktuelle Debatte um den Umzug der Station.

Kinder sind die Zukunft und das Potential unserer Stadt, von Ihrer Förderung hängen die Chancen von Weißwasser entscheidend ab. Ihnen die Freiräume zu bieten, die sie benötigen um sich optimal zu entwickeln ist auch die Aufgabe unserer Stadtväter. Solche sicheren Freiräume bietet der Standort der Station Junger Naturforscher und Techniker.

Als vor 16 Jahren meine Pläne zur Aufnahme eines Studiums der Gestaltung reiften, war mein erster Anlaufpunkt die Station, genauer die AG Malen und Zeichnen, deren Leiter zum damaligen Zeitpunkt mein ehemaliger Kunsterziehungslehrer Gerd Hallaschk war. Von ihm erhoffte ich mir wertvolle Hilfe beim Erstellen meiner zum Eignungstest benötigten Zeichenmappe. Was er mir gab, waren Papier, Zeichenkohle und die Worte: „Setzt dich draußen hin und studiere die Natur!“ Zeichenobjekte gab es ja auf dem Gelände der Station mehr als genug und so begann ich meine Arbeit und mit seiner Unterstützung hatte ich bald eine ordentliche Mappe fertig. Was für mich damals selbstverständlich klang, sehe ich nun mit dem Aufkommen der Debatte um die Schließung der Station unter einem völlig anderen Blickwinkel.

Seit mehreren Jahren arbeite ich in Bernburg als Ausbilder und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für einen der größten freien Träger der Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt, fast ausnahmslos mit sozial benachteiligten Jugendlichen. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind mangels vorhandener Schulabschlüsse eher gering. Die Defizite liegen auch in der fehlenden beruflichen Orientierung. Mit Projekten wie „Tradition und Zukunft“ wurde das Konzept der Arbeitsgemeinschaften wieder belebt und versucht, diesen Defiziten entgegen zu wirken. Ein Konzept der beruflichen Frühorientierung, welches in Weißwasser auch nach der Wende erfolgreich durch ehrenamtliches Engagement fortgeführt wurde. Das Erfolgsgeheimnis dieser Arbeit liegt in der Vielzahl von Angeboten, welche letztlich auch durch Kombination von Arbeitsräumen und einer einzigartigen Freifläche der Station aufrecht gehalten werden können. In einer immer anonymer werdenden Gesellschaft, in der Freundschaften nur noch virtuell in sogenannten „Sozialen“ Netzwerken geknüpft werden, kann man einen Ort wie die Station nicht hoch genug einschätzen. Er gilt bei vielen Weißwasseranern als sicherer Rückzugsort mit optimalen Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit unter Gleichaltrigen mit sinnvollen Angeboten der Freizeitgestaltung. Besser kann man seine sozialen Kompetenzen gar nicht erwerben.

Ich weiß von vielen, die in ihrer Kindheit und Jugend die Angebote der Station genutzt haben, dass sie erfolgreich in der Berufswelt fußgefasst haben. Diese Kräfte gilt es zu bündeln und in einer Zukunftswerkstatt die Zukunftsfähigkeit dieses Standortes unter Beweis zu stellen.

Ich hoffe für Weißwasser und den Trägerverein, dass es noch nicht zu spät ist und der Umzug von den Verantwortlichen, vielleicht auch mal mit einem Blick über den Tellerrand, noch einmal überdacht wird.

Mit freundlichen Grüßen
Karsten Noack
(Bernburg)

(geb. 1974 in Weißwasser, ehem. Mitglied der AG „Malen und Zeichnen“, seit 1994 Betreuer der deutsch-polnischen Werkstattwoche, welche in Kooperation mit dem Kinderkulturhaus Zary stattfindet)

Gisela Sobirey: An Herrn Oberbürgermeister

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rauh,
als ehemalige Mitarbeiter der Station Junger Techniker und Naturforscher und Mitgründerin des Trägervereins habe ich mit Befremden von den Plänen der Stadtverwaltung erfahren, diese Einrichtung auszuquartieren. Noch gibt es ja Wohnblöcke im Norden der Stadt, also ist das Einzugsgebiet für die Station dort oben näher für Kinder und Jugendliche als am Käseteich. Ich kenne die dortige Kindereinrichtung noch aus den Zeiten um 1970, als unsere beiden Jüngsten dort den Kindergarten besuchten. Sie verbrachten dort schöne Zeiten. Für Obdachlose wäre es sicher eine lobenswerte Einrichtung in heutiger Zeit. Aber die unmittelbare Nähe zu kleineren Kindern ist vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert.

Der wichtigste Aspekt der geplanten Aktion aber ist der Entzug aller Überlebenschancen des Vereins, die Stadt würde damit das langsame Sterben dieser Kinder- und Jugendeinrichtung beschließen. Das Freigelände mit den Bungalows ist eine wertvolle Voraussetzung für die verschiedensten Beschäftigungen in der Einrichtung, eine Überlebenschance auch finanziell. In Weißwasser gibt es ja noch andere interessante Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien, alle haben oft ein sehr spezifisches Angebot, meistens sind sie erst nach der Wende entstanden, und sie machen ihre Stadt reich und vielfältig. Aber gerade auf technischem, naturwissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet ist das Angebot der Station, mit dem Trägerverein als Grundlage, eine wunderbare Ergänzung. Sie ist mit ihrer Arbeit weit über die Grenzen der Stadt bekannt. Aber darüber sind Sie ja sicher informiert, denn das trägt ja ebenso wie Eishockey zum Bekanntheitsgrad der Stadt bei. Vermutlich fragen Sie sich, warum eine jetzt in Baden-Württemberg lebende 75-jährige Frau sich so engagiert? Fast 40 Jahre Weißwasser und die Arbeit mit Kindern prägt einen, schafft Verbindungen, die niemand so schnell löst. Ständige Kontakte mit Freunden, ehemaligen Schülern und Kollegen bringen Informationen aus der Region.

Mit viel Mut und Anstrengung gründeten einige Interessierte 1990/91 sofort Vereine, auch für den Keramikkzirkel, ich übernahm beide Vorsitze. Wir hofften, dass alles mit neuen tollen Möglichkeiten weiter bestehen kann. Alles glückte, die späteren Vereinsvorsitzenden erweiterten ständig die Angebote auf einem sehr hohen Niveau. Sogar die Partnerschaft zu den Kindern in Polen lebt erfolgreich weiter. Einige der jetzigen Akteure sind ehemalige Mitglieder von Arbeitsgemeinschaften. Das ist wohl das beste Zeugnis für die Arbeit mit Kindern. Ehemalige der Natur AG werden sich erinnern, wie wir den Teich anlegten, nur eines von vielen Beispielen.

Alles entstand damals mit viel Enthusiasmus aus einer alten Baubaracke. Der heutige Einsatz der Vereinsmitglieder garantiert ebenso, dass man die Stadt in ihren Sparmaßnahmen unterstützen wird. Aber sie brauchen die Möglichkeiten und Grundlagen dazu. Hoffentlich nimmt alles ein gutes Ende. Es wäre mehr als fatal, wenn hier Interessen von Investoren den Kindern den Raum entzögen. In alter Verbundenheit zur Stadt und ihren Kindern grüße ich Sie freundlich

Gisela Sobirey

Diskussion

Klaus-Dieter Theis, Jugendwerk für die Stadt Oelde e.V., 26.03.2010 15:33

Ich kenne die Stadtion seit über 10 Jahren und war mehrmals mit einer Theatergruppe in der Stadtion zu Gast. Nicht nur der unkomplizierte Umgang mit den Mitarbeitern der Stadtion ist hervorzuheben, sondern die „schlichte Eleganz“ der gesamten Anlage mit dem natürlichen Gelände. Die Abgeschiedenheit, die erst die jungen Erwachsenen arg beunruhigte, ließ ein konzentriertes Arbeiten zu und war für die Teilnehmer sehr Sinn stiftend. Für die Teilnehmer eine neue Erfahrung mit Ruhe, Dunkelheit und Natur. Eine Perle von Seminargelände die für Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsene eine wertvolle Arbeits- und Erfahrungsmöglichkeit bietet. Klaus-Dieter Theis

www.theater-kontor.de www.alte-post-oelde.de

Dr. Elk Messerschmidt "Europäisches Jugendkompetenzzentrum für erneuerbare Energien", 29.03.2010 17:24, 30.03.2010 01:10

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ich bin über Ihren neuen Denkansatz sehr erstaunt. Ich habe Ihre Worte zur Bedeutumng der Station noch im Ohr, die Sie zur 55 Jahrfeier sprachen. Von der großen Bedeutung für die Region u.s.w. und nun sollen die Kinder in ein Obdachlosenheim. Soviel pädagogischen Uninstikt hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Wir bereiten zur Zeit ein Projekt zur Technikbildung für Gymnasiasten gemeinsam mit der „Deutschen Akademie für Technikwissenschaften“ vor. An dem sollte Ihr Station auf jeden Fall mit machen. Ich bin mir aber sicher, daß eine Einrichtung mit Obdachlosenheim da nicht dazu gehören kann. Waren Ihre Worte zur Bedeutung der Station wirklich nur hohle Politikerphrasen??

Stephan Kaasche, 29.03.2010 21:34

Hallo, hier meldet sich mal Stephan Kaasche, manche kennen mich. Das was ihr in Weißwasser mit der Station Junger Naturforscher und Techniker habt lässt sich vorzeigen! Viel Platz um die unterschiedlichsten Projekte zu gewährleisten ist nur ein Punkt. Manche mögen mir bei meiner Parteinahme für die Station Eigennutz vorwerfen da ich seit mehreren Jahren im Rahmen des Themas Wolf für die Station tätig geworden bin. Das lässt mich aber auch sehen wie in anderen Städten der Region und darüber hinaus solche Projekt realisiert werden - Die Station Junger Naturforscher und Techniker sollte bleiben und zwar am bisherigen Standort. Viele Grüße, Stephan Kaasche.

Bettina Pahl, 29.03.2010 21:36

Wo kommt eine Gesellschaft hin, die an ihrer Zukunft - den Kindern - spart? Ich wünsche mir, dass noch Generationen Fasching an dem Ort feiern können, an dem ich schon vor 15 Jahren jede Menge Spaß (und die schönsten Faschingsfeste überhaupt) hatte.

Sabine Gutjahr, 31.03.2010 13:57

Die Diskussion erinnert sicher nicht nur mich an die Zeit, als der Standort GLASMUSEUM Weißwasser in der GELSDORF-Villa gefährdet war und dem Förderverein des Museums zugemutet wurde, mit in die (damals noch geplante) Bibliothek einzuziehen. Unterschiede gab es freilich zur heutigen Standortdiskussion zum Thema STATION:

1. es sollten kulturelle Einrichtungen zusammengelegt werden und

2. es war einfach mehr Zeit miteinander zu reden und somit eine für alle Seiten vernünftige Lösung zu finden.

Am Ende fiel die Entscheidung für die Bürger der Stadt, für den Förderverein und somit auch für potentielle Besucher des Museums aus - ein Stück Kultur und Geschichte blieb der Stadt erhalten und zwar genau dort wo sie entstand.

Ich kann nur hoffen, dass auch in diesem Falle - Standort STATION - die Entscheidung so ausfällt, dass sie für alle Beteiligten tragbar ist. Ein gewachsener Standort ist nun mal nicht austauschbar - ein neuer Standort könnte selbst mit einer gleichwertig großen freien Fläche erst in Jahren wieder Gestalt annehmen….die „vergegenständlichte Arbeit“ hinterließ Spuren von Menschen und lässt sich nun mal nicht transportieren oder umsetzten in der Hoffnung, dass sie sich evtl. an einem anderen Standort profiliert. In diesem Sinne: die STATION gehört nun mal dorthin wo sie entstand.

Sabine Gutjahr (Freiberufl. Designerin)